Elefantengucker: Wolfgang Supper

Unter dem Titel „Elefantengucker“ ließ der Bildhauer Wolfgang Supper von Maria Eilers seine Künstlerbiographie schreiben. Viele kleine Geschichten, die von der Kindheit, dem beruflichen und künstlerischen Werdegang, diversen Begegnungen, kleinen und großen Augenblicken erzählen:

„Es war für mich ein großartiges Glück, dass ich nun über den zweiten Bildungsweg, mit meiner Bewerbungsmappe und der Begabtenprüfung, an der Fachhochschule Hannover studieren konnte. Wunderbar! Studieren! Ich trug mich bei Professor Rogge ein und – für mich war die Wiese grün!

Ich lerne am besten am praktischen Beispiel, theoretische Erörterungen und Beschreibungen mag ich nicht so. Die ersten Semester bestanden jedoch aus sehr viel Theorie. Einige Dozenten referierten wortreich, aber beherrschten sie, wovon sie sprachen? Professor Rogge ist ein guter Künstler und auch ein guter Pädagoge. Er hat meine Bildhauerei entscheidend geprägt hat.

Während dieser Zeit beschäftigte ich mich intensiv mit dem Lauf der Welt, ich philosophierte und setzte meine Gedanken künstlerisch um. Gott, Kaspar, Tod und alles, was damit zu tun hat, beschäftigte mich. Ich nahm an KZ-Mahnmal-Wettbewerben teil. Tod, Grausamkeiten und Krieg, Golgatha, die NS Verbrechen und Verdun. Diese Geschichten begleiteten mich und mein künstlerisches Tun und ließen mich gleichzeitig fast verzweifeln, weil ich Angst bekam. Eines Tages sagte Professor Rogge zu mir: „Mensch Supper, lassen Sie das sein! Es gibt genug Märtyrer auf dieser Welt!“ In früheren Zeiten hatte ich häufig Tiere gehauen hatte, Eidechsen und Frösche. Daran erinnerte er mich: „Supper, arbeiten Sie mal wieder Ihre Tiere. Hauen Sie Eidechsen und Vögel, das ist Ihre Welt!“ Ich dachte: „Ja, er hat recht!“ und machte mich an die Arbeit. „Und dann möchte ich, dass Sie nächste Woche beim Kolloquium Ihre Arbeiten vorstellen!“

Im Kolloquium saßen wir nachmittags mit fünfzig, sechzig Studierenden im Gespräch mit dem Professor zusammen und ein Student stellte seine Arbeit vor. An diesem Nachmittag bekam ich zu spüren, was sich später viele Male wiederholte: Da sitzt eine Schar von Bildhauern – Männern und Frauen, die die Welt mit ihrem hoch intellektuellen künstlerischen Tun auseinandernehmen … Und nun komme ich mit meiner Eidechse, einem kleinen Frosch oder Elefant! Meine Kollegen hielten die Luft an! So etwas sollte Kunst sein? Das erschien ihnen zu trivial. Professor Rogge grinste nur, während ich meine Arbeiten vorstellte. Er sah die Dinge anders.“

Mehr über Wolfgang Supper www.wolfgangsupper-bildhauer.de