Textprobe 2

Seit 49 Jahren ist die alte Dame mit ihrem Mann glücklich verheiratet. Heute lebt sie mit Wolfgang* in München. Nun möchte sie ihm, zur goldenen Hochzeit, ein LiebesBuch schenken. Die Geschichte der gemeinsamen Liebe. Als Dank für mehr als fünf glückliche Jahrzehnte. Sie sind zusammen Motorrad gefahren, haben ein Haus gebaut, waren im Urlaub in den Bergen und an der See. Unvergesslich das Nachkriegsjahr 1948, als sie sich zum ersten Mal in der Heide begegneten …

„Im Sommer 1948 haben wir uns kennen gelernt. Du warst hier in F. zu Besuch bei deinem Onkel Horst* und deiner Tante Erika*.

Horst und Erika Baum* hatten 1939 geheiratet und sind dann gleich in dies Haus in der Hermann-Löns-Straße eingezogen. Wir waren oft dort, besonders meine Mutter und ich. Erika Baum war Schneiderin, sie hat mir viele Kleider verlängert und ausgebessert.

Eines Tages sagte Tante Erika zu mir: „Du musst mal kommen, wir kriegen Besuch. Wolfgang kommt zusammen mit seinem Cousin aus Essen. Die Jungen haben immer Langeweile. Ihr könnt Mensch ärger Dich nicht spielen.“ Also bin ich dorthin gegangen, und irgendwie, ich weiß nicht, du gefielst mir sofort! Das ist ja manchmal so!

Ein paar Monate später kam dein Bruder Rudi* hier nach F. und Tante Erika hatte wieder Bescheid gesagt. Ich bat Rudi: „Kannste mir nicht mal ein Foto besorgen von deinem Bruder? Und wann hat der denn Geburtstag? Und – “ wie das so geht… Ich bekam ein Foto von dir, auf dem du eine Lederhose an hast. Ganz chic! Fand ich jedenfalls! Bis heute steht dieses Foto von dir auf unserem Vertiko.

Dann hab ich dir zum Geburtstag geschrieben. Und im Frühjahr 1949 bist du mit dem Fahrrad hierher geradelt, zusammen mit deinem Bruder. Ich glaube in der Zwischenzeit haben wir uns nicht gesehen. Aber wir hatten uns hin und wieder geschrieben. Im Sommer hattest du dir eine kleine 125-er Maschine gekauft. Mit der waren wir oft zu zweit unterwegs. Ja, das war schön, wirklich! Erinnerst du dich? Wir fuhren immer zum Picknick …

*Namen geändert

(mit freundlicher Genehmigung der Erzählerin)