Angekommen. Geschichten gelungener Integration.

Monika Franke (Hg) Maria Eilers (Texte). Im Auftrag der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Burgwedel, Monika Franke, spricht Maria Eilers mit Migrantinnen und Migranten verschiedener Altersstufen. Sie alle haben das Gefühl, in Burgwedel „angekommen“ zu sein. Die Gründe dafür sind verschieden. Burgwedel 2010. Zu beziehen über: link auf Seite der Gleichstellungsbeauftragten in Burgwedel.

Aus der Ukraine:

Er sieht zu jung aus, sicher wartet er auf jemand anders, denke ich. Da kommt der Familienvater schon freundlich auf mich zu. Nach seinem langen Arbeitstag nimmt er sich Zeit für ein Gespräch. Frau und Kind müssen noch einen Moment warten.

„ … Die Brüder, die Männer. Wo sieht Andrej Ähnlichkeiten, wo Unterschiede zwischen dem russischen und dem deutschem Mann? Lachend platzt es heraus: „Vor allem sind wir alle fleißig! Sonst sähe es schlecht aus!“ Einen Moment Nachdenken. „Und Unterschiede?“ Der Elektriker geht für einen Augenblick zurück in seine Jugendzeit: „Ich bin, seit ich achtzehn Jahre alt bin, nicht mehr auf meine Eltern angewiesen. Nach der Ausbildung war ich zwei Jahre Soldat. Während dieser ganzen Zeit hatte ich insgesamt einen Monat Urlaub und war ansonsten dreitausend Kilometer von zu Hause entfernt. Es war völlig unmöglich, dass meine Eltern mich dort einmal besuchen.“ Der Erzählende kommt aufs Wesentliche: „In Russland oder der Ukraine, das ist fast das Gleiche, werden die Jungen schneller erwachsen. Hier in Deutschland besuchen viele Jugendliche die Schule etwas halbherzig, dann stellt sich die Frage der Ausbildung: ‚Was mache ich? Oder mache ich nichts?‘ Faule Leute gibt es in der Ukraine auch, aber im Großen und Ganzen wird man dort schneller erwachsen. Man ist früh auf sich selbst gestellt: ‚Sieh zu, wie du klar kommst!‘ Meine Eltern waren da, aber es bestand die klare Erwartung, dass ich nun allein zurechtkomme. Die Möglichkeit, sich von den Eltern noch finanziell unterstützen zu lassen, bestand kaum. Nur wenn man richtige Probleme hat, bittet man die Eltern um Hilfe. Ansonsten…“

Aus Syrien:

An einem Winternachmittag sind wir verabredet. Mein Gesprächspartner kommt nicht allein, sondern zusammen mit seiner Tochter. Schnell wird klar, dass der Friseur und seine älteste Tochter ein gutes Team sind. Bei Unklarheiten sprechen sie recht freundschaftlich auf Kurdisch miteinander, dann formuliert Rinde auf fließendem und akzentfreiem Deutsch. Nur selten fehlt ihr ein Wort.

„ … Es wird wieder privater: Wie sahen Ramadans ursprünglichen Ideen und Pläne für sein Leben aus? Passen sie zu seinem heutigen Leben? Vater und Tochter plaudern. Rinde schmunzelt. „Die Pläne meines Vaters und sein jetziges Leben passen zusammen. Er hat sich vorgestellt, Geld zu haben, um seine Familie gut ernähren zu können.“ Der Schritt, mit Familie nach Deutschland zu gehen, steckte voller Unwägbarkeiten. „Mein Vater wusste nicht, wie Deutschland sein würde. Er dachte, vielleicht sei es gebirgig. Als er hier ankam, sah er, dass die Landschaft hier so ähnlich ist wie in Syrien. Gut findet er, dass hier die Polizisten nicht so übergriffig sind wie in Syrien. Die deutschen Polizisten machen ihren Job gut.“

Welche Zukunftsideen hat die Schülerin? „Ich habe mir vorgenommen, die Schule zu beenden und danach aufs Fachgymnasium zu gehen, um hinterher zu studieren. Das ist ein großes Ziel. Ich hoffe, dass ich es schaffe. Im Moment denke ich nur an die Schule. Ich würde gerne später etwas mit Mode machen, aber in Mathe bin ich auch gut. Vielleicht kann ich auch etwas Naturwissenschaftliches studieren. Aber das dauert noch.“ Sie lacht. …“

… weisen auf weggelassene Textpassagen hin.

“Angekommen” – zu beziehen über: www.boehnert.de