Elefantengucker. Wolfgang Supper erzählt.

Wolfgang Supper erzählt in dem „Elefantengucker“ von seiner Kindheit in Hannover, von seinem künstlerischen Weg, von kleinen und großen Augenblicken, von seinem Blick auf das Leben und die Kunst. Die Autorin Maria Eilers schreibt. Einige Fotos (Bendine Hentschel) ergänzen den Text. Hannover 2011.  Zu beziehen über: link auf den Buchladen annabee.

Mit dem Dreirad unterwegs

In meiner Kindheit wohnten wir in Buchholz, an der Stadtgrenze. Etwa zwei Kilometer entfernt, am Kleinbuchholzer Kirchweg, war der Schlachter. Dorthin bin ich, über Kopfsteinpflaster, mit meinem quietschenden kleinen Dreirad gefahren. Ich bekam einen Einkaufszettel mit. Die Verkäuferinnen kannten mich schon. Vielleicht war ich damals vier Jahre alt? Ich fuhr auf der Landstraße, die aus der Stadt herausführte, gerade wieder nach Hause. Auf einmal hält ein großes rotes Feuerwehrauto. Alle Feuerwehrleute springen aus dem Wagen. Ich bin völlig begeistert. Die Männer schauen zu mir herüber, einem blonden, kleinen Jungen. „Halt mal, Junge!“ rufen sie und kommen zu mir herüber. „Mein Fahrrad quietscht!“sage ich vor Scheck. Schon holen ein paar Männer den Ölkanister und ölen mein Dreirad. Ich strahle. Sie tätscheln mich. „Nun los, Junge!“ und die Feuerwehrmänner amüsierten sich, wie ich in die, nun nicht mehr quietschenden, Pedalen trat. Ja, immer wieder eine schöne Erinnerung.

Kunst-Unterricht

Ich ging früher in die Salzmannschule. Unsere Kunstlehrerin war schon etwas älter. Sie sah gemütlich aus, aber war überhaupt nicht gemütlich sondern völlig cholerisch. Schon damals konnte ich schön zeichnen. Ich war gerade in der dritten Klasse. An diesem Tag sollten wir Schmetterlinge malen, aber ich malte ein Segelschiff. Ich habe damals immer Segelschiffe gemalt, ich weiß auch nicht warum. Diese Lehrerin muss damals kurz vor dem Ruhestand gewesen sein. Als sie mein Schiff sah, verlor sie komplett die Contenance und prügelte hysterisch auf mich ein, gab mir Ohrfeigen. Alles wegen eines Schiffes, das ich gemalt hatte! Fast drei Stunden saß ich mit rotem Kopf und völlig verheult an meinem Platz. Um halb zehn hatte sie mich verhauen, um zwölf ging ich nach Hause. Als Mutter mich sah, nahm sie sofort den Kochtopf vom Herd, ging zur Schule und wollte wütend die Lehrerin stellen. Der Direktor kam dazwischen und musste alles regeln. Ja, unsere Mutter hat gebissen und gekämpft wie eine Löwin, wenn jemand ihre Kinder angriff. Unsere Kunstlehrerin hat mich nie wieder angefasst!

Geschichtenerzähler

Wenn Gäste zu mir in die Werkstatt kommen, möchten sie sehen, wer ich bin und was ich mache. So teile ich im Gespräch über eine Skulptur immer etwas mit, das über das Werk hinaus geht, kleine Weisheiten, Geschichten, Schönheiten. Früher war das anders. Als ich anfing, mich mit der Kunst zu beschäftigen, war ich unsicher, gehemmt. Das hat sich im Laufe der Zeit gegeben. Heute kann ich erzählen. Auch als Kind habe ich gerne erzählt. Ich kam nach Hause und habe die Leute mit skurilen Geschichten unterhalten. Kartoffel auf den Bäumen. Meine Mutter erinnerte sich später, dass mir die Leute immer gerne zugehört haben, obwohl die Erzählungen unlogisch waren. Manchmal kam ich vom Wurstholen verspätet zurück. Auf dem Heimweg hatte ich mich auf eine Wiese gelegt und mir Geschichten ausgedacht. Schließlich suchten mich meine Eltern. Sie wussten schon, dass ich wieder da hinten auf dem Feld liege.

„Elefantengucker“ – zu beziehen über: www.annabee.de