WasserLieben. Menschen erzählen von ihrem Element. Eine Kreuzfahrt durch die Region Hannover.

In zwanzig biografischen Kurztexten stellt Maria Eilers in diesem Buch Menschen aus der Region Hannover vor, die in unterschiedlichster Weise mit dem Wasser verbunden sind und gemeinsam, sozusagen vom Wasser aus, einen ausgesprochen kurzweiligen Blick auf unsere Region werfen: Der Wassergourmet, der Eistänzer, die Weltmeisterin im Rudern, der Wellenforscher, die Feuerwehrfrau, die Pastorin … Sie erzählen von der Faszination, dem Nutzen und der Gefahr des Wassers. Und von besonders geliebten Wasserorten in und um Hannover. Lesen Sie selbst. Eine Textprobe:

Marie-Cathérine Arnold erzählt.

Es ist einfach ein irres Gefühl, zu wissen, dass man gerade in der schnellsten Mannschaft der Welt gerudert ist.

Morgens um sechs geht sie eine Stunde schwimmen. Danach zur Universität. Bepackt mit Taschen und Rucksack kommt sie zum verabredeten Cafe. In einer Stunde muss sie weiter, zum Training und zum Physiotherapeuten. Das Leben der jungen hannoverschen Ruderin Marie-Cathérine Arnold, die schon drei Mal Weltmeisterin war, ist anstrengend, aber auch aufregend.

„Als kleines Kind war ich mit meiner Familie im Urlaub am Mittelmeer. Es hat mich unglaublich beeindruckt, wie hohe, hohe Wellen an das Ufer schlugen. So wild hatte ich Wasser noch nie erlebt! An diesem Tag muss es besonders stürmisch gewesen sein, denn oft ist das Wasser dort ja eher ruhig.

Meine Mutter war früher Leistungssportlerin im Rudern. Mein Vater ist am Atlantik groß geworden und liebt das Wasser. So sind wir alle im gewissen Sinn mit Wasser aufgewachsen. Eines Tages hat sich mein ältester Bruder für das Rudern interessiert. Wir Geschwister kamen alle mit zum Ruderverein, an den Kanal und zu den Booten. Ich verfolgte das Geschehen mit Interesse. Wenig später saß ich das erste Mal selbst im Ruderboot – und war Feuer und Flamme!

Manchmal bin ich ganz allein auf dem Wasser. Die Sonne geht gerade auf oder der Nebel wabert über dem Wasser. In solchen Momenten fühle ich mich der Natur, dem Ursprung sehr nah. Und wenn alles gerade genau passt, ich alles exakt treffe, genieße ich das weiche Gefühl, über das Wasser zu schweben.

Am meisten trainiere ich allein oder in meiner Trainingsgruppe, aber direkt vor Wettkämpfen bin ich viel mit der jeweiligen Mannschaft unterwegs, rudere im Team. Man muss sich gut aufeinander einstellen, um am Ende gemeinsam erfolgreich zu sein. Wir trainieren so viel wie möglich direkt auf dem Wasser. Wenn alles zugefroren ist, bewegen wir uns an den Trockenrudergeräten, fahren an ihnen auch Tests. Ergänzend mache ich mehrmals die Woche Krafttraining und als Ausgleichssport laufe und schwimme ich, fahre Rennrad und im Winter Ski.

Die Weltmeisterschaften, an denen ich bisher teilgenommen habe, werde ich nie vergessen. Drei Mal war ich bisher Weltmeisterin. Es ist einfach ein irres Gefühl, zu wissen, dass man gerade in der schnellsten Mannschaft der Welt gerudert ist. Dieses Siegesgefühl ist unglaublich!

Jenseits von Welterfolgen finde ich es sehr schön, die Harmonie zu spüren, in der man als Mannschaft unterwegs ist. Und diese Dynamik, die entstehen kann! Das beides begeistert mich am Rudern.

Als ich einmal zu einem Training in Frankreich war, tobte gerade ein heftiger Sturm. Von allen Seiten schlugen mir die Wellen ins Boot. Innerhalb kürzester Zeit war mein Boot voller Wasser. Ich musste zurück zum Steg und spürte, dass ich das Wasser nicht beherrschen kann. Unvergesslich. Klar, dass man als Ruderin schwimmen können muss!

Rudern kann man fast sein Leben lang, aber bei internationalen Wettkämpfen und Weltmeisterschaften ist man mit über dreißig Jahren schon eher eine Ausnahme. Mein nächstes großes sportliches Ziel sind die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Dort möchte ich gerne zu den Besten gehören.

Hier in Hannover trainieren wir auf dem Kanal, zwischen Letter und Lindener Hafen. Früher, in Freistunden oder in der Freizeit, haben wir uns gerne bei den Annateichen getroffen. Bei jedem Wind und Wetter sind wir um die Teiche spaziert. Natürlich fand ich es auch toll, wenn im Winter der Maschsee zum Schlittschuhlaufen freigegeben wurde. Das war schön!

Mein Traum? Ich hätte sehr gerne ein Haus am Meer. Das wäre fantastisch! Und sonst? Ich studiere Geowissenschaften. Mein Arbeitsschwerpunkt ist die Meereskunde. Andere möchten gerne auf den Mond fliegen – ich würde lieber die Tiefen des Meeres erforschen. Ja, das wäre mein Traum!“

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